Marcus Hohenecker: "Bildung soll keine Frage des Wohlstands sein"

Marcus Hohenecker: „Bildung soll keine Frage des Wohlstands sein“

Marcus Hohenecker tritt als Spitzenkandidat für die Unipiraten bei den ÖH-Wahlen an. Der 25-Jährige studiert Rechtswissenschaften an der Universität Wien.

Fotos: Unipiraten

Marcus Hohenecker (Fotos: Unipiraten)

Seit wann bist du bei den Unipiraten und warum engagierst du dich?

Ich bin schon seit einem Jahr bei den Piraten aktiv und habe mich vor ca. 6 Monaten den Unipiraten angeschlossen, weil ich finde, dass die Ideen der Piraten in kleinem Rahmen unbedingt erprobt werden sollten und sich die ÖH dafür gut eignet.

Ich engagiere mich, weil ich mir sicher bin, dass es in unserem heutigen politischen System nicht mehr reicht, einfach alle paar Jahre die eigene Stimme im wahrsten Wortsinn abzugeben. Mit Liquid Democracy gibt es seit einigen Jahren eine vollkommen neue Form der Demokratie. In diesem System kann man bereichs- sowie themenspezifisch die eigene Stimme der eines anderen folgen lassen. Das ermöglicht demokratisch legitimierte Expertenentscheidungen. Außerdem wird die Hürde, die eigenen Ideen in den politischen Prozess einzubringen, geringer. Dadurch wird der Wettbewerb der Ideen gefördert. Die Ergebnisse und ihr Zustandekommen sind jederzeit transparent nachvollziehbar. Ich engagiere mich, weil ich mir sicher bin, dass die Politik der Piraten die momentan einzige realistische Alternative zum heutigen politischen System ist und gerade auf der Uni sind unsere Ideen leicht umsetzbar.

Warum soll man die Unipiraten wählen?

Weil wir die Einzigen sind, die den offenkundigen politischen Problemen mit innovativen Lösungen begegnen. Wo andere über überfüllte Hörsäle klagen, fordern wir Vorlesungsstreaming. Wo andere die Mittelverwendung innerhalb der ÖH anprangern, bieten wir ein System zur Verbesserung der Willensbildung innerhalb der ÖH.

Wer Unipiraten wählt, kann auch nach der Wahl seine eigenen Ideen einbringen. Unser System zu studentischen Mitbestimmung haben wir schon vor der Wahl aufgesetzt, nämlich auf uniliquid.at. Mit Matrikelnummer kann sich ab sofort jeder Studierende dort registrieren und seine Ideen einfließen lassen bzw. mitentscheiden.

Wie steht eure Fraktion zu Studiengebühren? Wo soll das Geld für die Unis herkommen?

Die Finanzierung der Unis hat nur zu sehr geringem Teil mit Studiengebühren zu tun. Die Unipiraten lehnen das Einheben von Studiengebühren während des Studiums ab. Bildung sollte keine Frage von Wohlstand sein, sondern eine Frage der persönlichen Interessen. Nur so können wir jedem Menschen – unabhängig von dessen sozialem und finanziellem Hintergrund – ein größtmögliches Maß an gesellschaftlicher Teilhabe ermöglichen. Studiengebühren zu Zeiten der Ausbildung schränken diesen Zugang ein.

Die von den Universitäten benötigten zusätzlichen finanziellen Mittel bewegen sich in weit höheren Dimensionen, als durch Studiengebühren von € 363,36 pro Semester abgedeckt wären. Eine Wiedereinführung von Studiengebühren hilft also den Universitäten kaum, stellt aber eine zusätzliche soziale Hürde dar.

Ihr sprecht euch gegen Zugangsbeschränkungen aus und lehnt die aktuelle STEOP ab. Wie soll das Problem der überfüllten Hörsäle gelöst werden?

Die STEOP ist ein gutes Beispiel, wie man mit antiquierten Mitteln versucht, heutige Probleme zu lösen. Statt die Barrieren zu beseitigen, zitiert man die Studenten in vielen Studiengängen für jede kleinste Vorlesung auf die Uni und klagt dann über überfüllte Hörsäle. Hörsäle sind überfüllt, weil zu viele Studierende dort sitzen müssen. Viele Studierende, beispielsweise mit Kind, mit Behinderung, oder Studierende, die weit weg wohnen, würden gern zuhause bleiben und sich den Stream der Vorlesung dann ansehen, wann sie es wollen.

Problematisch an der STEOP ist, dass teilweise durch einen einzigen Aufnahmetest die Zahl der Studierenden soweit reduziert wird, dass ein nachträglicher Wettbewerb nicht mehr nötig ist und die Auslese während des Studiums dadurch zu kurz kommt, wie zum Beispiel beim Medizin-Studium.

Wie wird der Wahlkampf der Unipiraten finanziert?

Ausschließlich durch geringe Sachspenden der Mitglieder.

Warum ist die Wahlbeteiligung bei ÖH-Wahlen deiner Meinung nach so niedrig? Was macht ihr dagegen?

Die geringe Wahlbeteiligung ist eine Folge eines Lernprozesses. Die Studenten erkennen, dass das Wechseln der politisch Handelnden keine Fortschritte mehr bringt. Wir Piraten bieten ein innovatives System der Mitbestimmung und sind uns sicher: Wenn Studenten merken, dass ihren Anliegen Gehör geschenkt wird, so wird das auch das Interesse erhöhen. Wir wollen die ÖH wieder schlagkräftig machen. Die ÖH ist nur so schlagkräftig wie die Studenten, die hinter ihr stehen. Daher braucht es eine transparente Willensbildung, die potenziell jeden einbindet.

Planst du eine politische Karriere?

Ich helfe mit, die politische Karriere der Unipiraten und der Piratenpartei Österreichs zu planen. Meine eigene Karriere wird höchstwahrscheinlich keine politische sein.

Was würdet ihr verändern, wenn ihr in die ÖH-Bundesvertretung kommen würdet?

Wir würden erstens unser Programm umsetzen, den Studenten Gehör verschaffen und ihren Wünschen nachgehen. Außerdem würden wir den oftmals überforderten Lehrkräften bei der Zurverfügungstellung von Lehrmaterialen unter die Arme greifen.