FEST-Spitzenkandidatin Bankel im Interview

Anna Lena Bankel (30), gebürtige Münchnerin, wurde 2011 zur ÖH-Vorsitzenden an der Akademie gewählt und ist seit letztem Jahr im Referat für Bildungspolitik der Bundes-ÖH als Sachbearbeiterin tätig. Sie ist Lehramtsstudentin an der Universität für angewandte Kunst und macht sich zudem als Designerin für Heim- und Dekoartikel selbstständig. Die Fraktion Engagierter Studierender (FEST) tritt heuer erstmals an den Universitäten an und präsentiert Bankel als bundesweite Spitzenkandidatin.

Wir haben Anna Lena zu einem persönlichen Interview im Wiener Café Jelinek getroffen und sie für euch zu den ÖH-Wahlen und Anliegen der FEST befragt.

…H-WAHL 2013 - WAHLPROGRAMM FRAKTION ENGAGIERTER STUDIERENDER: BANKEL

(c) APA/HERBERT NEUBAUER

oehwahlen2013.at: Was sind die wichtigsten Punkte eures Fraktionsprogrammes?

Bankel: Wir sind parteiunabhängig, das ist unser wichtigster Grundsatz. Wir haben 10 Grundsätze, die wir gemeinsam vertreten. Diese haben teilweise politische Inhalte, z.B. sind wir gegen Zugangsbeschränkungen, gegen Studiengebühren, für die Gleichberechtigung von Frauen im Studium und in eigentlich allen Gesellschaftsschichten, und wir sind der Meinung dass Bildungspolitik und Gesellschaftspolitik gleichgestellt werden sollte.

Wir haben auch Forderungen, die alle Studierenden betreffen und welche, die entweder nur für Universitäten oder  Fachhochschulen oder Pädagogischen Hochschulen gelten. Das sind die verschiedenen Sektoren, die wir alle abdecken möchten. Unsere allgemeinen Forderungen sind der Abbau von Diskriminierungen, die Dritt-Staaten-Studierenden können beispielsweise nicht zur ÖH-Wahl antreten (haben kein passives Wahlrecht).

Es gibt immer noch eine Zwei-Klassengesellschaft, vor allem bei den FHs und PHs, wo die Studierenden mit ganz anderen zusätzlichen Kosten konfrontiert werden, die teilweise gesetzlich nicht verankert sind, wie zum Beispiel Sachmittelbeiträge. Dritt-Staaten-Studierende müssen an den FHs teilweise kostendeckende Studiengebühren zahlen. An den PHs gibt es eine hohe Anwesenheitspflicht, es ist schwer nebenberuflich zu studieren. Es sollte einen einheitlichen Sektor und ein einheitliches Hochschulgesetz geben. Eine weitere Forderung, die wir an die Unis richten, ist eine bessere Hochschuldidaktik, im Moment gibt es ja die STEOP, mit der aussortiert wird. Auch Lehrende sollten, genauso wie Lehramtsstudenten, didaktische Schulungen machen, also vermittelt bekommen, wie man vermittelt.

Auf ÖH Ebene ist unser Anliegen, dass sich die ÖH anders um Kunst und Kultur kümmert, als sie es bis jetzt getan hat. Das Thema wurde bis jetzt etwas vernachlässigt.

oehwahlen2013.at: Wie unterscheidet ihr euch von den anderen Fraktionen, warum soll man genau euch wählen?

Bankel: Was uns am stärksten unterscheidet, ist, dass wir in allen verschiedenen Sektoren, die es gibt, Vertreter haben. Wir haben uns aus einer Fraktion gegründet, die es ursprünglich nur auf den FHs gegeben hat, aber im Laufe der Zeit sind auch viele von den PHs zu uns gekommen. Seit 2 Jahren vertreten wir auch die Kunstunis und die Universitäten allgemein. Das ist, glaube ich, der größte Unterschied.

 

Café Rosa und Finanzierung der Fraktion

oehwahlen2013.at: Glaubt ihr, dass ihr einen Vorteil habt, weil ihr in allen Sektoren vertreten seid? Wie viele Mandate erhofft ihr euch?

Bankel: Unser Vorteil ist bestimmt, dass wir sehr viel Wissen in diesen Bereichen haben. Wir sind z.B. im FH Referat, und wegen unserer langjährigen Erfahrung schon ziemlich lange im Referat der Pädagogischen Hochschule auf ÖH Bundesebene vertreten. Wir sind aus einem anderen Sektor entstanden und haben daher einen sehr guten Überblick. Es hat sich auch gut eingebürgert, dass alle von Hochschulen sprechen und nicht nur von Unis, denn dann sind auch alle Sektoren miteinbezogen.

Wir haben derzeit 11 Mandate und wir hoffen natürlich, dass es mehr werden. Wir möchten auf jeden Fall an der Uni Wien mitreden können. Ich denke, wir können sagen, dass wir nicht die stärkste Fraktion sind, aber wachsen können wir auf jeden Fall.

oehwahlen2013.at: Was sagt ihr über das Café Rosa?

Bankel: Wir waren kein Teil der Exekutive an der Uni Wien, wir treten 2013 jetzt erstmals an. Wir glauben schon, dass hier Fehler gemacht wurden, welche genau, ist sehr schwer zu eruieren. Es gibt eine ganze Reihe verschiedener Ansichten, aber auch wenig sinnvolle Berichterstattung darüber. Es wäre gut, wenn die Räume, die jetzt sowieso angemietet sind, auch geöffnet werden.

oehwahlen2013.at: Wie finanziert ihr euch?

Bankel: Wir finanzieren uns ausschließlich aus privaten Spenden, die wir selbst organisiert haben. Jetzt sind gerade noch € 500,- Wahlkampfbudget übrig, das ist nicht viel, aber wir glauben, dass wir es schaffen.

 

Politisches Engagement

oehwahlen2013.at: Wie sieht euer Alltag während des Wahlkampfes aus?

Bankel: Für mein Studium kann ich zurzeit nur wenig machen, auch Geld verdienen ist ziemlich schwierig im Moment, der Wahlkampf hat jetzt Priorität. Wir sammeln viele neue Erfahrungen, wofür wir sehr dankbar sind. Wir haben auch nur ein winziges Budget, dadurch haben wir auch keinen Zugang zu irgendwelchen „tollen“ Schulungen. Wir treffen uns aber oft, stimmen über die Inhalte ab, was wir wollen, diskutieren, recherchieren.

oehwahlen2013.at: Planst du eine politische Karriere nach der ÖH?

Bankel: Auf gar keinen Fall. Ich möchte mich nach der ÖH wieder auf mein Studium konzentrieren, auch auf meinen Beruf. Eine politische Karriere kann ich mir eigentlich überhaupt nicht vorstellen. Es ist sicher schön, wenn der Wahlkampf vorbei ist und man sich wieder einsetzen kann für Veränderungen abseits des Wahlkampfes. Da freu ich mich eigentlich schon wieder drauf, kleinere Projekte zu planen und nicht mehr so viel Arbeit in die Fraktion stecken zu müssen.

oehwahlen2013.at: Wie kommt es, dass du trotzdem so engagiert bist?

Bankel: Ich bin immer weiter in die ÖH gerutscht, weil ich etwas verändern wollte. Erst waren es die Zustände in meiner Klasse, dann an der Hochschule, im Bildungswesen allgemein. Ich bin auf jeden Fall sehr dankbar für die Zeit in der ÖH. Ich glaube, man muss diese Gelegenheit ergreifen, wenn man Zugang hat und sich für eine Weile engagieren. Ich finde es auch super, wenn sich Leute nachher politisch weiter engagieren wollen, aber für mich ist das nichts.

 

Wahlbeteiligung und ÖH

oehwahlen2013.at: Was sagt ihr zur schwachen Wahlbeteiligung?

Bankel: Ich finde es schade, aber das hat auch bestimmt viel damit zu tun, dass Studierende ihre Uni nicht als Lebensmittelpunkt sehen und hin- und hergerissen sind zwischen Arbeit, Studium und teilweises auch Betreuungspflichten. Ich habe auch in den ersten Jahren nicht ÖH gewählt, aber ich glaube die Wahlbeteiligung verbessert sich von Jahr zu Jahr. Dann gibt’s eben auch Plattformen wie eure, die Studierenden ermöglicht, einen besseren Einblick zu bekommen.

oehwahlen2013.at: Glaubt ihr, es gäbe eine höhere Wahlbeteiligung, wenn die Studierenden wüssten, was die ÖH genau macht?

Bankel: Nach meinem Wissen ist es sehr genau dokumentiert, was die ÖH macht. Es gibt auf den Websites der ÖHs und der Bundes-ÖH genaue Berichte, welche Projekte und Beschlüsse durchgeführt werden. Außerdem gibt es auch ganz viele Arbeitsgruppen, die für alle offen sind, wo man sich entweder beteiligen kann oder auch nur anschauen kann, wie alles funktioniert. Man hat ganz viele Möglichkeiten, sich von der ÖH unterstützen zu lassen. Eigentlich wird die Information, was die ÖH macht, den Studierenden fast nachgetragen, es gibt leider nur wenig Interesse.

 

 

Dieser Artikel wurde am 02.05. überarbeitet und der Aufnahme entsprechend korrigiert.