Der Rektor der Universität im Interview: "Wählen gehen!"

Der Rektor der Universität im Interview: „Wählen gehen!“

Heinz Engl ist seit Oktober 2011 Rektor der Universität Wien und damit in einer für die Universität und die Studierenden durchaus turbulenten Zeit – man denke nur an das Hick-Hack aus Studiengebühren, Uni-Finanzierung, Wegfall des Bachelor-Studiums Internationale Entwicklung oder den Aufnahmeregelungen. Der gebürtige Linzer stand uns für ein Interview zur Verfügung und spricht dabei über die Wichtigkeit der ÖH-Wahl für die Studierenden, seine Meinung zu den Aufnahmeverfahren, die in verschiedenen Studienrichtungen für das nächste Semester durchgeführt werden, und vieles mehr.

Foto: Universität Wien

Foto: Universität Wien

„Über 30 Prozent wäre schon gut.“

Die recht geringe Wahlbeteiligung ist natürlich auch am Rektor der Uni Wien nicht vorbeigegangen. Trotz einer Steigerung bei der letzten ÖH-Wahl im Jahr 2011 betrug diese mit 28 Prozent noch nicht einmal ein Drittel der Studierenden. Bei der Einschätzung der diesjährigen Wahlbeteiligung meint Engl, dass über 30 Prozent oder vielleicht gar ein Drittel schon ein Fortschritt wären. Er betont dabei, wie wichtig eine hohe Wahlbeteiligung für die ÖH sei – unabhängig davon, für welche Fraktion man sich letztendlich entscheide. Je stärker die StudentenvertreterInnen durch eine hohe Wahlbeteiligung legitimiert seien, desto besser sei nämlich auch die Verhandlungsposition gegenüber der Universitätsleitung und der Politik. Sonst könne man in der Politik und insbesondere auch in der Presse Argumente der ÖH einfach mit der Begründung abtun, dass diese ja nur 30 Prozent der Studierenden vertreten würden.

Ein Allzweckmittel, um die Wahlbeteiligung zu erhöhen, hat Rektor Engl jedoch nicht. „Wenn die ÖH das will, verschickt auch die Uni Aufrufe an die Studierenden, wählen zu gehen. Die Universität informiert über ihre Medien über den Wahltermin.“ Ansonsten könnte er sich durchaus vorstellen, dass die Politik für die ÖH-Wahl ähnliche Bedingungen setzen könnte, wie sie bereits für andere Wahlen realisiert sind. Als Beispiel nennt Engl hier die Briefwahl.

In seiner eigenen Studentenzeit hat Engl an der ÖH-Wahl nicht nur teilgenommen, sondern sich auch aktiv engagiert. Er war an der Universität Linz Studienrichtungsvertreter Technische Mathematik und auch in der Fakultätsvertretung tätig. „Ist lange her natürlich“, erinnert sich der Rektor.

„Einfach so konstruktiv weiter.“

Trotz des durchaus turbulenten letzten Jahres, hat Engl lobende Worte für die Vertreter aller ÖH-Fraktionen über. Auch kontroversielle Themen mit unterschiedlichen Meinungen habe man in sehr zivilisierter Weise ausdiskutiert. Die Gesprächspartner auf der ÖH-Seite hätten immer zwischen den Interessen, die sie vertreten, und persönlichen Angriffen, die es eigentlich nie gegeben habe, unterschieden. Dieses Gesprächsklima wünscht sich Engl auch für die zukünftige Universitätsvertretung. „Und ich hoffe, dass diese weiterhin so bleibt und sehe keine Anzeichen, dass das anders werden sollte.“ Man arbeite schließlich an einem gemeinsamen Interesse: Den Stellenwert und die Bedingungen an der Universität zu verbessern.

Zu regelmäßigen Treffen zwischen den ÖH-VertreterInnen und dem Rektorat komme es dabei insbesondere mit Vizerektorin Schnabl. „Wenn es um politische, also universitätspolitische, Themen geht, dann auch mit mir“, erzählt Rektor Engl. Bei Themen, die auch das Rektorat betreffen, gebe es außerdem in den Senatssitzungen (im Senat sitzen auch ÖH-VertreterInnen) eine ständige Diskussion mit den Studierendenvertretern.

„Wir sind mit der neuen Regelung nicht zufrieden.“

Vor wenigen Wochen wurden die Aufnahmeverfahren für zusätzliche Studienrichtungen geregelt. Betroffen sind nun neben dem Publizistik- und Psychologiestudium, bei denen es eine entsprechende Regelung bereits seit wenigen Jahren gibt, unter anderem auch Betriebswirtschaft, Biologie, Pharmazie und Ernährungswissenschaften. „Wir sind mit der neuen Regelung nicht zufrieden, und da rede ich nicht nur von der Uni Wien sondern das ist die generelle Stimmung an den Unis“, erzählt Engl. Die Anzahl der Studienplätze habe mit den tatsächlichen Kapazitäten nichts zu tun.

Die Universität Wien werde durch das Gesetz zwar nicht verpflichtet, ein Aufnahmeverfahren durchzuführen (in der Informatik wird es übrigens nicht durchgeführt), jedoch sei man trotzdem in gewisser Weise dazu gezwungen. „Wenn in den Wirtschaftswissenschaften die Universität, die die meisten Wirtschaftsstudenten hat, nämlich die WU, ein Aufnahmeverfahren durchführt und wir führen es nicht durch, dann sind wir mit Garantie ums dreifache überbucht, was die Kapazitäten betrifft“, so der Rektor der Universität Wien.

Zusätzlich stellt das Aufnahmeverfahren die künftigen Studierenden vor zeitliche Herausforderungen: Sie würden nun teilweise nicht nur für die Matura lernen müssen, sondern auch für ein Aufnahmeverfahren Anfang Juli. Außerdem müsse man sich nun bereits im Vorhinein festlegen, an welcher Universität man studieren wolle. Die Aufnahmeprüfungen in einem Fach finden österreichweit am selben Tag statt, auch beim Prüfungsstoff haben sich die Universitäten koordiniert.

Was aus Sicht von Engl jedoch gut funktioniert, ist die Studieneingangsphase. „Das ist aus meiner persönlichen Sicht auch viel fairer, als eine punktuelle Aufnahmeprüfung.“ Jeder hätte die Chance, sich Stoffwissen und Methodik in relativ gut betreuten Lehrveranstaltungen anzueignen und dann zu zeigen, dass man dieses Wissen auch verarbeiten könne.